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Familienfrühstück

SPD: Sonnenkinder stellten ihr Projekt vor / Gewerkschaftsbund lobt Zusammenarbeit mit den örtlichen Genossen

Am Frühstückstisch über Kommunalpolitik diskutieren

Zwingenberg. "Eine gerechte Gesellschaft macht nicht nur die Menschen zufriedener, die in ihr leben, sie stabilisiert auch unsere Demokratie." Mit diesen Worten lud die SPD-Parteivorsitzende Katrin Hechler zum Familienfrühstück ins Alte Amtsgericht ein. Als Gäste begrüßte sie Horst Raupp vom Deutschen Gewerkschaftsbund, Rouven Röhrig, den Leiter des Arbeitskreises Jugend der SPD Bergstraße, und Silvia Soskic vom Verein "Sonnenkinder Elterninitiative Handicap".

An diesem Sonntagmorgen im Alten Amtsgericht war jeder in der Runde aufgefordert, seine Meinung zu äußern. Das nutzten viele der Gäste und so entstand eine recht kontroverse Diskussion zu ganz verschiedenen Punkten. Der SPD sei eine Bürgerbeteiligung sehr wichtig, sagte Hechler, und als Vorbild nannte sie hier Viernheim. Mit der aktuellen Familienfrühstücksveranstaltung begann eine Reihe, in der Bürger gefragt werden, um damit noch mehr für Zwingenberg zu erreichen.

 

Am Anfang bekam jeder einen Bogen Papier, auf dem Kritik, Lob und Ideen Platz fanden. Die SPD wünsche sich eine entsprechende Bürgerbeteiligung, sagte Hechler.

Finger weg vom Sozialstaat

Raupp betonte die gute Zusammenarbeit zwischen dem DGB und der SPD vor Ort. "Der Sozialstaat muss unangetastet bleiben", sagte Raupp und ergänzte, dass man auch immer die Verursacher zur Kasse bitten müsse. "Griechenland, mehr braucht man nicht zu sagen", so Raupp. Er sprach sich zudem deutlich für die Finanztransaktionssteuer aus und rechnete vor, was sie dem Staats bringen würde. Die Schere zwischen Armen und Reichen klaffe in Deutschland immer weiter auseinander, rügte er, das müsse sich ändern. Es sei zudem falsch, den Kommunen immer mehr Gelder zu entziehen.

Ebenso kam das Thema Mindestlohn auf den Tisch. "Mehr als acht Millionen Menschen arbeiten im Niedriglohnsektor", machte er deutlich, das entspräche rund 25 Prozent. "Gleiche Arbeit, gleiche Rechte, gleicher Lohn", so lautete Raupps klare Forderung. "Im Land muss endlich wieder eine Politik für die Mehrheit gemacht werden", so sein Appell am Ende des Beitrags.

Rouven Röhrig ging auf Partizipation und Bildung ein. "Kinder und Jugendliche sollen sich aktiv einsetzen. Zum Beispiel im Jugendrat", plädierte er für deren Mitarbeit auf politischer Bühne. Der Jugendrat sei alles andere als eine Partygruppe, hier werde ernsthaft und konstruktiv gearbeitet.

Referentin Soskic machte sich für all die Menschen in Zwingenberg und Umgebung stark, die eine Behinderung haben. "Oft hieß es, das Kind könne das doch nicht und damit war die Tür für eine Teilnahme versperrt", ärgerte sie sich. In Zwingenberg habe sie zum Glück eine ganz andere Erfahrung gemacht. Die Stadt stufte sie als sehr familienfreundlich ein, in der man als Mensch mit Handicap integriert werde. "Menschen mit Handicap sind keine Kranken, es sind einfach Menschen, die anders sind", betonte sie. Sie selbst ist Gründungsmitglied der "Sonnenkinder" und kennt damit die Sorgen und Nöte sehr genau.

Im Anschluss folgte eine sehr rege Diskussionsrunde. Ein Gast gab zu bedenken, dass es recht schwierig sei, sich dem Niedriglohnsektor zu verweigern. Ein anderer befürwortete die in Raupps Vortrag genannte Transaktionssteuer und eine Dame äußerte den Wunsch nach einem Seniorenbüro, in dem Informationen gebündelt zu bekommen seien.

"Ich warne davor, zu glauben, dass mit einer anderen Regierung alles ganz anders wird", gab ein weiterer Gast zu bedenken. Eine weitere Stimme stellte den Fachkräftemangel in Frage. Es sei seltsam, dass gut ausgebildete Menschen heute noch nicht einmal eine Antwort auf eine Bewerbung bekämen. Eine Dame, die nicht mehr im Beruf steht, appellierte an die Eigenverantwortung, speziell junger Menschen. Diese müssten in ihrem Leben auch einmal lernen, mit kleineren Brötchen anzufangen. Für die heutigen Jungen sei vieles einfach zu selbstverständlich. Vor einer Forderung sei zu überlegen, was man aus eigener Kraft tun könne, bevor die Gesellschaft zahle, sagte sie. Ebenso seien viele Werte in den Hintergrund gedrängt worden.

Hechler stimmte ihr zu, dass in der Wertediskussion viel verloren gegangen sei und man auch hier ansetzen müsse. "Das war ein faszinierender Rundumschlag heute", freute sich Hechler und wies auf weitere Veranstaltungen in dieser Reihe hin. Die Referenten verabschiedete sie mit einem kleinen Weinpräsent und lud alle ein, den Mittag noch gemütlich ausklingen zu lassen. cf

Bergsträßer Anzeiger
29. Februar 201